Natur in der plattdeutschen Sprache
Die Natur ist tief in der plattdeutschen Sprache verankert. Sprichwörter, Redewendungen und Wetterregeln — die Worte der Vorfahren spiegeln die Natur Norddeutschlands wider.
Plattdeutsche Sprichwörter rund um die Natur
| Plattdüütsch | Hochdeutsch | Bedeutung |
|---|---|---|
| Na Regen kummt Sünnschien. | Nach Regen kommt Sonnenschein. | Nach schlechten Zeiten kommen bessere. |
| De Appel fallt nich wiet vun’n Boom. | Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. | Kinder sind oft ähnlich wie ihre Eltern. |
| Wenn de Hahn kräht op’n Mist, ännert sik dat Weder oder blifft as’t is. | Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder bleibt wie es ist. | Scherzhaft: Vorhersagen sind ungewiss. |
| De Boom fallt dor, wo man em haut. | Der Baum fällt dahin, wo man ihn haut. | Dinge passieren dort, wo man anpackt. |
Plattdeutsche Sprichwörter sind oft sehr konkret und praxisnah — sie kommen aus dem bäuerlichen Alltag und der Arbeit mit der Natur. Wetter und Ernte sind die wichtigsten Themen.
Wetterregeln auf Platt
Norddeutsche Bauern haben die Natur genau beobachtet und Wetterregeln gesammelt:
| Plattdüütsch | Bedeutung |
|---|---|
| Abendröd güüd Weder künd. | Abendrote bedeutet gutes Wetter. |
| Wenn de Möv an Land geiht, kummt Sturm. | Möwen an Land = Sturm im Anzug. |
| Bringt de Storch sien Jong, ward de Sünn lang. | Ein gutes Storchenjahr = langer Sommer. |
| Kattenpoten an Wuul — Regen kümmt bi Foll. | Cirruswolken = Regen. |
Natur-Redewendungen
| Plattdüütsch | Hochdeutsch | Bedeutung |
|---|---|---|
| He liggt in’n letzten Töög. | Er liegt in den letzten Zügen. | Er stirbt bald. |
| Se hett Wörtel schooten. | Sie hat Wurzeln geschlagen. | Sie ist heimisch geworden. |
| Dat wässt mi övern Kopp. | Das wächst mir über den Kopf. | Das wird zu viel für mich. |
| Wi möten dat Ies bröken. | Wir müssen das Eis brechen. | Wir müssen den Anfang machen. |
„He liggt in’n letzten Töög” ist eine plattdeutsche Redewendung für „Er liegt in den letzten Zügen” — es klingt nach Natur, ist aber eine Metapher, kein Naturwort.
Natur in der plattdeutschen Literatur
| Autor | Werk | Natur-Thema |
|---|---|---|
| Klaus Groth | Quickborn (1852) | Heide, Heimat, Natur Dithmarschens |
| John Brinckman | Vagel Grip (1859) | See, Schifffahrt, Küstenleben |
| Fritz Reuter | Ut mine Stromtid | Mecklenburgische Landschaft, Bauernleben |
Aus Klaus Groths Quickborn: „Maak op de Döhr, ik bün allein, de Nacht is koolt, de Weg is lang, de Maan schient hell, de Steen is blank…”
(Mach die Tür auf, ich bin allein, die Nacht ist kalt, der Weg ist lang, der Mond scheint hell, der Stein ist blank…)
Natur und Identität
Die plattdeutsche Sprache und die norddeutsche Natur gehören zusammen. Wer auf Platt spricht, denkt an Küste, Wind und Weite.
| Plattdüütsch | Bedeutung |
|---|---|
| Mien platte Land | Meine Heimat, mein flaches Norddeutschland |
| Wi sünd Waterkant-Lüüd. | Wir kommen von der Küste. |
| De See is uns’ Leven. | Die See bedeutet alles für uns. |