Feste und Traditionen in Frankreich
Der französische Kalender ist reich an nationalen, religiösen und kulturellen Festen, die die Geschichte und Identität des Landes widerspiegeln. Manche teilt Frankreich mit anderen europäischen Ländern, andere sind spezifisch französisch.
Die offiziellen Feiertage
Frankreich hat 11 gesetzliche Feiertage im Jahr — deutlich weniger als Deutschland (bis zu 13, je nach Bundesland):
| Datum | Feiertag | Art |
|---|---|---|
| 1. Januar | Neujahr | Zivil |
| Ostermontag | Ostermontag | Religiös |
| 1. Mai | Tag der Arbeit | Zivil |
| 8. Mai | Kriegsende 1945 | Zivil/historisch |
| Himmelfahrt | Christi Himmelfahrt | Religiös |
| Pfingstmontag | Pfingstmontag | Religiös |
| 14. Juli | Nationalfeiertag | Zivil/historisch |
| 15. August | Mariä Himmelfahrt | Religiös |
| 1. November | Allerheiligen | Religiös |
| 11. November | Waffenstillstand 1918 | Zivil/historisch |
| 25. Dezember | Weihnachten | Religiös |
Der 14. Juli: Nationalfeiertag
Der 14. Juli ist Frankreichs Nationalfeiertag. Er erinnert an die Erstürmung der Bastille am 14. Juli 1789 — dem symbolischen Beginn der Französischen Revolution. Im Deutschen wird er manchmal „Bastille-Tag” genannt.
Die Feierlichkeiten
Der Militärparade auf den Champs-Élysées ist der bekannteste Teil: Heer, Gendarmerie, Feuerwehr und bisweilen verbündete Einheiten ziehen vor dem Staatspräsidenten und Tausenden Zuschauern vorbei. Die Parade wird landesweit im Fernsehen übertragen.
Die Volksbälle (bals populaires): In ganz Frankreich finden kostenlose Freiluftbälle statt — besonders bekannt sind die Feuerwehrbälle (bal des pompiers), bei denen die örtliche Feuerwache ihren Hof für die Bevölkerung öffnet.
Feuerwerke: Jede Stadt veranstaltet ein Feuerwerk am 14. Juli. Das Feuerwerk am Eiffelturm in Paris ist das bekannteste und gilt als eines der schönsten in Europa.
Der 14. Juli ist nicht nur ein Feiertag — er ist ein Symbol der französischen Republik und ihrer Werte: Liberté, Égalité, Fraternité (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit). Diese drei Worte, die Devise der Republik, sind auf Rathäusern und öffentlichen Gebäuden im ganzen Land eingraviert. Für Franzosen ist dieser Tag eine wichtige Gelegenheit, sich mit dem republikanischen Erbe zu identifizieren.
Weihnachten in Frankreich
Weihnachten ist sowohl ein Familien- als auch ein religiöses Fest. Die Traditionen variieren je nach Region.
Heiligabend (24. Dezember)
- Le réveillon de Noël: Das große Familienmahl am Abend des 24., oft nach der Mitternachtsmesse
- Traditionelle Gerichte: Austern, Foie Gras, Räucherlachs, Truthahn mit Maronen, Bûche de Noël
- La bûche de Noël (Weihnachtsscheit): Das klassische Dessert — eine gerollte Biskuitrolle mit Buttercreme in Form eines Holzscheits
Geschenke und Père Noël
- Geschenke werden in der Nacht vom 24. auf den 25. unter den Weihnachtsbaum gelegt
- Im Elsass gibt es die Tradition des Sankt Nikolaus (6. Dezember), der Kinder besucht
- In manchen Familien stellen Kinder ihre Schuhe an den Kamin
Weihnachtsmärkte
Die Weihnachtsmärkte (marchés de Noël) sind besonders im Elsass wichtig. Der Markt in Straßburg, einer der ältesten Europas (seit 1570), zieht jährlich Millionen von Besuchern an. Viele Deutsche besuchen ihn jedes Jahr — er liegt nahe der deutschen Grenze.
Dreikönigstag und Galette des rois
Am 6. Januar feiern die Franzosen das Dreikönigsfest mit der Tradition der Galette des rois (Königskuchen).
Die Tradition
Eine Galette des rois ist eine runde Blätterteig-Mandel-Tarte, in der eine Fève (kleines Porzellanfigürchen) versteckt ist. Wer die Fève in seinem Stück findet, wird zum „König” oder zur „Königin” des Tages und erhält eine goldene Papierkrone.
Diese Tradition dauert den ganzen Januar an. Bäckereien verkaufen Galetten mehrere Wochen lang.
Zwei Varianten: Nördlich der Loire ist die Galette des rois eine Blätterteig-Frangipane-Tarte. Südlich der Loire findet man die Couronne des rois — eine ringförmige Brioche mit Orangenblütenaroma und kandierten Früchten. Beide Traditionen existieren nebeneinander je nach Region.
Weitere wichtige Traditionen
Lichtmess / Chandeleur (2. Februar)
Der 2. Februar ist der Tag der Crêpes! Die Tradition besagt, man solle die Crêpes mit der rechten Hand wenden, während man in der linken eine Goldmünze hält — für Wohlstand im kommenden Jahr. Heute ist es vor allem ein geselliger Anlass, um Crêpes mit Familie oder Freunden zu genießen.
Fasching und Karneval
Mardi Gras (Faschingsdienstag) läutet die Fastenzeit ein. Die berühmtesten Karnevale sind die von Nizza und Dünkirchen.
Fête de la Musique (21. Juni)
1982 eingeführt, findet die Fête de la Musique am 21. Juni (Sommersonnenwende) statt. Tausende Amateur- und Profimusiker spielen kostenlos auf Straßen, in Parks und auf Plätzen in ganz Frankreich. Dieses Fest wurde inzwischen in über 120 Länder exportiert.
Frankreich ist offiziell ein laizistischer Staat (laïcité). Dennoch haben die meisten Feiertage religiöse, vorwiegend katholische Ursprünge. Diese Spannung zwischen republikanischer Laizität und katholischem Kulturerbe ist eine historische Besonderheit Frankreichs. Feste wie Weihnachten werden von einem großen Teil der Bevölkerung eher als kulturell-familiäre denn als religiöse Feiern erlebt.
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